Wenige Tage vor der Übergabe von mehr als 52.000 Unterschriften gegen Exen und Abfragen an Bayerns Schulen soll am Sonntag der Druck auf die Landespolitik nochmals erhöht werden. Die Initiatoren der Petition, allen voran die Münchner Schülerin Amelie N., haben für Sonntag unter dem Motto «Bayern legt los» zu einer großen Demonstration in München geladen. «Wir haben erstmal 1.000 Teilnehmer angemeldet, aber wir hoffen natürlich, dass noch viel mehr Schülerinnen und Schüler kommen», sagte die 17-Jährige der dpa in München. Das Echo auf die Demo sei bisher «sehr gut».
Am 8. April sollen die Unterschriften an die Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag, Ute Eiling-Hütig (CSU) übergeben werden. Der Ausschuss wird sich in der Folge auch mit den Forderungen inhaltlich befassen. Ob deswegen aber die Bildungspolitik wegen der Stimmmehrheit von CSU und Freien Wählern geändert wird, ist eher unwahrscheinlich. Laut N. sind die Initiatoren aber gewillt, ihre Proteste auszuweiten.
Proteste richten sich auch gegen Söders Machtwort pro Exen
Hintergrund der erneuten Schülerproteste ist das, wie N. es nennt «undemokratische Machtwort» von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im vergangenen Herbst. Damals hatte er sich in die laufende Diskussion über ein Ende der umstrittenen Praxis der unangekündigten Exen in Bayerns Schulen eingeschaltet und diese kurzerhand für beendet erklärt: Exen und Abfragen würden natürlich bleiben, sagte er und zog damit viel Zorn auf sich.
Initiatoren hoffen auf Schulsystem ohne ständige Angst
«Wir hoffen natürlich, dass die Debatte nun wieder an Fahrt gewinnt und es endlich eine andere Bildungspolitik gibt», sagte N. In Bayern seien viele Lehrerinnen und Lehrer und auch ganze Schulen in alten Mustern stecken geblieben, die eine zeitgemäße Prüfungskultur verhinderten. Statt auf ständige Angst vor unangekündigten Exen oder Abfragen zu setzen, müsse das Schulsystem darauf abzielen, Freude an Schule und am Lernen zu fördern. In jedem Fall müsse die Politik die Meinung der Schülerinnen und Schüler mehr beachten. «Wir sind die Zukunft, die Politik muss uns hören», sagte N.
Droht ein niedrigeres Leistungsniveau ohne Exen?
Das Argument, dass ohne Exen das Bildungsniveau sinke, will N. nicht gelten lassen. Auch in Bayern gebe es schon Schulen und Lehrkräfte, die bewusst darauf verzichteten und die dortigen Schüler seien nicht schlechter. Auch bei den alljährlichen Auszeichnungen der besten Schulen im Land zeige sich, dass dort oftmals auf Exen verzichtet werde. In der Petition heißt es zudem, dass die Angst vor Exen nur ein kurzfristiges und oberflächliches Auswendiglernen fördere, nicht aber langfristiges Verstehen und Behalten von Inhalten.
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