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Passionsspiele in Sömmersdorf: Frauen bekommen mehr Raum

Die Freilichtbühne im Ortsteil Sömmersdorf in der alle fünf Jahre die Fränkischen Passionsspiele stattfinden. / Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Die Freilichtbühne im Ortsteil Sömmersdorf in der alle fünf Jahre die Fränkischen Passionsspiele stattfinden. / Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ein fränkisches Dorf wagt sich wieder an die Darstellung einer der bekanntesten Geschichten der Menschheit: die Passion Christi. Der jüngste Mitspieler muss erst noch auf die Welt kommen.

Der jüngste Mitspieler ist noch nicht geboren, die älteste Mitspielerin 85 Jahre alt: Nach coronabedingten Verzögerungen finden in diesem Jahr wieder die Passionsspiele in Sömmersdorf (Landkreis Schweinfurt) statt. Die wichtigsten Rollen sind doppelt besetzt, Frauen sollen mehr Raum bekommen. Am 23. Juni geht es los, wie das Bistum Würzburg am Dienstag bekannt gab.

399 Schauspieler, zumeist Dorfbewohner, seien benannt, die auf rund 44.000 Probestunden und 36.000 Stunden für die 18 Aufführungen kämen. «Die weit mehr als 100 Helfer hinter den Kulissen leisten weitere 20.000 Stunden, um die Bühne vorzubereiten, während der Aufführungen umzubauen oder für die Bewirtung zu sorgen», so das Bistum.

Schon Monate vor den Inszenierungen geht in Sömmersdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Euerbach, nichts mehr seinen gewohnten Gang: Das Dorfzentrum liegt dann am Waldrand auf einer der größten Freilichtbühnen Frankens. Dort proben die Laien-Darsteller für die rund dreistündige Inszenierung das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi. Seit 1933 finden die Fränkischen Passionsspiele statt, die unter den Nationalsozialisten verboten wurden. Normalerweise wird die Theaterproduktion alle fünf Jahre gezeigt.

Im Vergleich mit dem weltberühmten Passionsspiel von Oberammergau geht es in Sömmersdorf, wo keine 700 Menschen wohnen, recht schlicht zu. So sind beispielsweise die Kostüme von Einheimischen meist selbst geschneidert. Bei den vergangenen Fränkischen Passionsspielen im Jahr 2018 kamen nach Bistumsangaben etwa 34.000 Menschen - in Oberammergau waren es 2022 rund 412.000 Zuschauer.

«Es wird viel mehr Dialoge geben, außerdem haben wir die Szenen miteinander verwoben», kündigte Regisseurin Silvia Kirchhof an. «Wir haben auch die Rolle der Frauen gestärkt.» Mit ihrem Kollegen Kai Christian Moritz habe sie zudem darauf geachtet, dass die Texte nah an den Bibelstellen bleiben.

Beim Einzug in Jerusalem werde vermutlich ein Baby mit auf der Bühne sein, sagte Norbert Mergenthal, einer von drei Vorsitzenden des Passionsspielvereins. Dieses sei aber noch nicht geboren.

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